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Pater Agnellus Schneider

Das Biberacher Tierheim und sein Namenspatron

Wenige Tage vor Vollendung seines 94. Lebensjahres ist der Salvatorianer-Pater Agnellus Schneider am 17. Juli 2007 im Pflegeheim Bärenweiler bei Kisslegg verstorben.

 

 

Das grundlegend sanierte und erweiterte Tierheim in Biberach am Hubertusweg ist am 18. Februar 1995 eingeweiht worden und erhielt den Namen „Pater-Agnellus-Schneider-Tierheim“.
Bei dieser Einweihung hat Pater Agnellus den Festvortrag gehalten.
Für ihn als Namenspatron, haben sich die Mitglieder in einer Urabstimmung entschieden.
Sie würdigten hiermit sein großartiges, lebenslanges, umfassendes Wirken für die Bewahrung der Schöpfung.

Mitglieder des Tierschutzvereins haben den Pater im April 1995 im Salvatorkolleg in Bad Wurzach besucht.
Auf der Rückseite eines Aquarells, das eine Impression des Wurzacher Rieds darstellt, hat er damals folgende Widmung geschrieben:

Es muss Menschen geben, die unter der Zerstörung der Natur

und dem leidvollen Schicksal der Tiere und Menschen leiden.

Mitleid zeugt weitere Liebe - und Liebe gibt die Kraft zum Helfen

In Dankbarkeit und Anerkennung

Auch aus dieser Quelle schöpfen wir die Kraft für unsere anspruchsvolle Arbeit im Tierheim und im, mitunter schwierigen, Tierschutz vor Ort im Landkreis Biberach.

Nachstehend ist der Lebensweg und die Lebensleistung von Agnellus Schneider im Wesentlichen, im Hinblick auf seine naturschützerische Tätigkeit dargestellt.

Er wurde am 23. Juli 1913 auf dem Ehrlachhof bei Leupolz/Allgäu als
4. Kind einer Bauernfamilie geboren.

Am 28. Oktober 1935 trat er in den Orden der Salvatorianer ein.

Seine Priesterweihe war am 07. April 1940 in Passau.

Von 1946 bis 1986 war er als Lehrer für Biologie, Religion, Geographie und Geschichte am Privatgymnasium der Salvatorianer in Bad Wurzach tätig.

Schon 1959, als Umwelt und Ökologie eher unbekanntes Gedankengut waren, gründete Agnellus Schneider den „Bund Naturschutz in Oberschwaben e.V.“ (BNO)

Das „Herrgottsried“, ein Moor im Allgäu, wurde gerade für die Landwirtschaft urbar gemacht, eine einzigartige Naturlandschaft damit zerstört.
Sein Entsetzen darüber bewog ihn, seine besondere Stellung als Geistlicher für den Umweltschutz einzubringen.
Es ging noch um weitere oberschwäbischen Moore und Riede, die zum Teil als Brennstoff- und Torflieferanten dienten, oder nach der Landesplanung als (nutzloses) Ödland kultiviert werden sollten, um sie einer Nutzung, vorwiegend landwirtschaftlicher Art, zuzuführen.
Die Naturfreunde sahen diese Urlandschaften mit ihrem einmaligen Reichtum der Pflanzenwelt und der besonderen Eigenart der Tierwelt, jedoch als interessante und liebenswerte Eigenart unserer Heimat, die es galt, weiteren Generationen zu bewahren.
Für die Naturschützer war das Ödland mit seiner Fülle an Farben und Formen an Eigenart und Einzigartigkeit letzte Stücke eines Paradieses,
das vor der Zerstörung durch den Menschen geschützt werden musste.

Agnellus Schneider ging mit großem Eifer ans Werk.
In tausenden von Führungen, Vorträgen, und Veröffentlichungen warb er bei den Menschen um Verständnis für die Belange der Natur.
Er tat dies nicht wie manche Umweltschützer, indem er apokalyptische Szenarien verbreitete - ganz im Gegenteil. Er zeigte den Menschen die Schönheit und Größe der Natur, brachte Tausende zum Staunen und zum ehrfürchtigen Betrachten, aber ebenso durch seinen Humor zum Schmunzeln und Lachen. Er hatte auch als Naturschützer eine frohe Botschaft, dass die großartige Schöpfung auf den Schöpfer schließen lässt. Das war der tiefste Sinn seines Handelns.

Durch seine rund 500 vogelkundlichen Rundfunksendungen wurde er weit über Oberschwaben hinaus bekannt und hatte eine große, treue Zuhörerschar.

Agnellus Schneider war 40 Jahre Vorsitzender des von ihm gegründeten BNO und danach bis zu seinem Tod dessen Ehrenvorsitzender.
In dieser Zeit hat er an vielen Fronten gekämpft.
Adelegg und Federsee, Bodenseeufer und Illertal, Argental und Rot-Tal, nicht zu vergessen die Riede: Wurzacher Ried, Herrgottsried, Eisenharzer Ried, Gründlenried, Taufach-Fetzach-Moos, Gaishauser- Ried, Weißenbronnen. (man könnte die lange Liste fortsetzten).
So wäre das Wurzacher Ried, als größtes intaktes Hochmoor Mitteleuropas mit seiner Vielfalt an Flora und Fauna ohne seinen unbeirrbaren Einsatz schon längst nicht mehr das, was es heute noch ist.
Dem BNO ist es z.B. mit zu verdanken, dass die Argen als naturnaher Bergfluss erhalten blieb, dass eine Hochhaussiedlung am Bodensee,
direkt am Ufer, nicht gebaut wurde, und der Hochrhein bis zum Bodensee über den Rheinfall hinweg, nicht schiffbar gemacht wurde.

Durch seine hohe Kompetenz war er im Naturschutzbereich ein gefragter Fachmann. Als solcher war er:

- Mitglied der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft

- Mitglied im Naturschutzbeirat des Altkreises Wangen

- Sonderbeauftragter für das Wurzacher Ried

- Naturschutzbeauftragter im Landkreis Ravensburg

Agnellus Schneider gehörte zu den Pionieren des modernen Naturschutzes in Baden-Württemberg nach dem 2. Weltkrieg.
Mit dem Bund für Naturschutz in Oberschwaben wirkte er beim „Europäischen Naturschutzjahr 1970“ mit, das eine Aufbruchstimmung in Sachen Naturschutz nach sich zog.
Er wirkte auch bei der Gründung des Landesnaturschutzverbandes (LNV) mit. Hiermit war auch auf Landesebene eine schlagkräftige Organisation vorhanden, die von der Politik zunehmend ernst genommen werden musste. 1985 gründeten der damalige Landwirtschaftsminister Weiser und Agnellus Schneider das Naturschutzzentrum Bad Wurzach, das eine Keimzelle für weitere Naturschutzzentren im Land wurde.

Unvergesslich ist auch seine Mitarbeit bei der Vogelwarte in Radolfzell. Tausende von Wildvögeln hat er im Laufe der Jahre persönlich beringt.

In herausragender Weise hat der Salvatorianer das franziskanische Ideal vom Frieden zwischen Mensch - Tier - Natur gelehrt und praktiziert.

Für seine großen Leistungen im Naturschutz erhielt er zahlreiche Auszeichnungen:

- Bundesverdienstkreuz am Bande,

- Staatsmedaille in Gold des Landes Baden-Württemberg

- Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg

- Felix-von-Hornstein-Medaille des Bundes für Naturschutz in Oberschwaben

- Dankurkunde der Vogelwarte Radolfzell für Mitarbeit und Vogelberingung

- Wetterdienstplakette des Deutschen Wetterdienstes

- Ehrenmitgliedschaft  der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg

- Bürgermedaille in Gold der Stadt Bad Wurzach

Er war Priester, Ordensmann, Seelsorger, Gymnasiallehrer, Vorsitzender des Bundes Naturschutz in Oberschwaben, Naturschutzbeirat, Sonderbeauftragter für das Wurzacher Ried, Rundfunkmoderator, naturkundlicher Führer, gesuchter Vortragsredner, Mitarbeiter der Vogelwarte Radolfzell und des Deutschen Wetterdienstes, und daneben noch passionierter Brieftaubenzüchter.

Eine besondere Beziehung hatte Agnellus Schneider zu allem „was da kreucht und fleucht“. Kein Wunder, wuchs er doch auf dem Einödhof Ehrlach im schönen Allgäu, mitten unter den Tieren in Haus und Hof, in Garten, Feld und Wald auf. Als Mitglied des Salvatorianerordens konnte er sich natürlich kein Haustier im Zimmer halten. Aber auf dem Dachboden des Wurzacher Salvatorkollegs baute er sich einen großen Taubenschlag, und seine Tauben betreute er persönlich. Im hinteren Teil des Schlossparks schuf er sich ein besonderes Refugium. Dort entstanden begehbare Volieren, wo er im Auftrag der Vogelwarte Radolfzell brutbiologische Beobachtungen machte und manchen gefiederten Patienten aufpäppelte.
Da er auch ein hervorragender Botaniker war, und insbesondere die Alpenflora liebte, legte er vor den Volieren einen wunderschönen Alpengarten an. Wenn er sich nach getaner Arbeit dort auf die Bank setzte, dauerte es nicht lange, bis eine Kohlmeise sich vom Park her näherte.
Der Pater griff dann in seine Hosentasche, holte eine Haselnuss hervor, die er dem Vogel anbot, und die Meise flog auf seine Hand und pickte an der Nuss. Ein Bild paradiesischen Friedens zwischen Mensch und Tier.

Eines war Pater Agnellus Schneider zutiefst zuwider: Fanatismus und Einseitigkeit. Er sah immer die Schöpfung als Ganzes und liebte sie, die Landschaft, die Pflanzen, die Tiere und die Menschen.
Für ihn war wichtig, dass jeder, der sich um einen Teil dieser Schöpfung bemühte, nie diesen Teil verabsolutierte, und dabei das Ganze aus den Augen verlor.

Der Tierschutzverein im Landkreis Biberach e. V. erfüllt satzungsgemäß eine wichtige Teilaufgabe, die sich im Regelfalle auf den Landkreis Biberach begrenzt. Als Mitglied des Landesverbands Baden-Württemberg im Deutschen Tierschutzbund, und des Deutschen Tierschutzbundes hilft unser Verein mit, dass diese übergeordneten Institutionen landes- bzw. bundes-, ja weltweit, für den Tierschutz tätig werden können.
So hat z. B. der Deutsche Tierschutzbund maßgeblich dazu beigetragen, dass der Schutz der Tiere 2002 in unser Grundgesetz aufgenommen worden ist. Unsere satzungsgemäße Aufgabe ist ein wichtiger Teilbereich innerhalb des gesamten Naturschutzes, den wir als Ganzes bei Erfüllung unseres Bereiches, nicht aus den Augen verlieren.

Ohne die große Lebensleistung von Pater Agnellus wäre Oberschwaben heute ärmer und weniger lebens- und liebenswert.
Dies ist ein Vermächtnis, das allen wohltuend zugute kommt, aber auch eine Verpflichtung, es zu bewahren.

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Seite erstellt am: 04. Oktober 2015

letzte Änderung:
20. Juni 2017

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